Goldpreis verstehen: Kurs, Fixing und Einflussfaktoren
Nach diesem Ratgeber wissen Sie, welcher Kurs gemeint ist, wenn vom Goldpreis die Rede ist, woher ein Ankäufer seinen Kurs nimmt und warum Sie Ihren Verkauf nicht an Prognosen ausrichten sollten.

Auf einen Blick
- Mit „dem Goldpreis“ ist meist der Spotkurs gemeint: der Preis für eine Feinunze Feingold, also 31,1035 Gramm, in US-Dollar, der sich während des Handels laufend ändert.
- Als Referenz für Verträge und Abrechnungen dient der LBMA Gold Price, der an jedem Londoner Handelstag zweimal in einer elektronischen Auktion festgestellt wird.
- Der Preis in Euro hängt vom Dollarpreis und vom Wechselkurs ab. Beide können sich verstärken oder gegenseitig aufheben.
- Der Kurs gilt für reines Gold. Bei Schmuck, Münzen und Zahngold zählt nur der Feingoldanteil, und ein Ankäufer zieht davon seine Kosten und seine Spanne ab.
- Zinsen, Dollar, Käufe von Zentralbanken, Anlegern und Schmuckkäufern sowie Krisen bewegen den Preis, aber keiner dieser Faktoren wirkt verlässlich in eine Richtung.
- Prognosen sind Meinungen über die Zukunft. Für Ihren Verkauf zählt, ob ein Angebot zum Kurs des Tages fair ist.
Wer Gold verkaufen will, stößt überall auf den Goldpreis: in den Nachrichten, im Schaufenster eines Ankäufers, in Angeboten per Post. Oft passen diese Zahlen nicht zusammen, und das hat Gründe. Dieser Ratgeber erklärt, welcher Preis gemeint ist, wo er entsteht, wie Sie ihn in Euro je Gramm übersetzen, was ihn bewegt und warum Sie Ihren Verkauf nicht an Prognosen ausrichten sollten.
Diese Seite nennt bewusst keine aktuellen Kurse und keine Kursziele. Kurse ändern sich börsentäglich, und jede Zahl wäre beim Lesen schon veraltet. Alle Beträge in den Beispielen sind ausdrücklich angenommen und dienen nur der Rechnung. Wie Sie aus einem Kurs den Materialwert Ihrer Stücke berechnen, zeigt der Ratgeber Goldwert berechnen mit seinem Rechner.
Welcher Goldpreis gemeint ist
Gold wird an Werktagen fast rund um die Uhr gehandelt, zwischen Banken, Händlern, Raffinerien und Anlegern auf der ganzen Welt. Einen einzigen amtlichen Goldpreis gibt es nicht. Ihnen begegnen vor allem vier verschiedene Zahlen, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.
| Begriff | Was er bedeutet | Wo er Ihnen begegnet |
|---|---|---|
| Spotkurs (Kassakurs) | Preis für eine Feinunze Feingold bei sofortiger Lieferung, im Londoner Handel üblicherweise zwei Handelstage nach Abschluss. Er ändert sich während des Handels laufend. | Nachrichten, Finanzseiten, Kurs-Apps, Grafiken „Goldpreis heute“ |
| LBMA Gold Price (Fixing) | Referenzpreis, der zweimal täglich in London in einer Auktion festgestellt wird. Er gilt für genau einen Zeitpunkt. | Verträge, Abrechnungen von Scheidebetrieben, Bewertungen von Fonds und Zentralbanken |
| Terminkurs (Future) | Preis für eine Lieferung zu einem späteren Termin, etwa an der Terminbörse COMEX in New York. Er liegt wegen Zins- und Lagerkosten meist etwas über dem Spotkurs. | Börsenberichte, Grafiken mit dem Zusatz „Future“ oder einem Liefermonat |
| An- und Verkaufskurs des Händlers | Was ein Händler beim Ankauf zahlt oder beim Verkauf verlangt. Darin stecken seine Kosten und seine Spanne. | Schaufenster, Preislisten, Angebote, Websites von Händlern |
Wenn ein Ankäufer sagt, er zahle „nach Tageskurs“, ist das deshalb noch keine Auskunft. Fragen Sie nach, welchen Kurs er meint, von welchem Zeitpunkt und ob es ein Kurs für Feingold ist oder bereits ein Preis für eine bestimmte Legierung. Ein seriöser Ankäufer beantwortet diese drei Fragen ohne Zögern.
Auch der Börsenkurs selbst hat zwei Seiten. Der Geldkurs ist der Preis, zu dem Käufer gerade kaufen wollen, der Briefkurs der Preis, zu dem Verkäufer abgeben wollen. Wer verkauft, orientiert sich am Geldkurs. Viele Kursanzeigen zeigen nur eine Zahl, oft den Mittelwert oder den letzten Handelspreis. Für einen Vergleich genügt das, solange Sie für alle Angebote dieselbe Quelle verwenden.
Wo der Goldpreis entsteht: London, New York, Shanghai
Drei Handelsplätze prägen den Preis, jeder auf seine Weise.
- London. Der größte Handelsplatz für physisches Gold. Gehandelt wird außerbörslich, direkt zwischen Banken und Händlern. Maßstab sind Barren, die den Regeln der London Bullion Market Association (LBMA) entsprechen, die sogenannten Good-Delivery-Barren. Sie enthalten zwischen 350 und 430 Feinunzen, meist um 400 Feinunzen oder rund 12,4 Kilogramm, bei einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendteilen.
- New York. An der Terminbörse COMEX, die zur CME Group gehört, werden Terminkontrakte über jeweils 100 Feinunzen gehandelt. Hier fließt viel Geld von Fonds und Spekulanten, und kurzfristige Bewegungen beginnen oft an diesem Markt.
- Shanghai. Die Shanghai Gold Exchange ist der wichtigste Handelsplatz Chinas. Sie notiert in Yuan und, anders als London und New York, je Gramm. China und Indien sind die größten Märkte für Goldschmuck und kleine Barren.
Weichen die Preise an zwei Plätzen deutlich voneinander ab, lohnt es sich für Händler, Gold am günstigeren Platz zu kaufen und am teureren zu verkaufen. Dieser Ausgleich hält die Preise eng beieinander. Unterschiede bleiben nur, wo Transport, Zölle oder Beschränkungen beim Handel ihn erschweren.
In Deutschland gibt es keinen eigenen Großhandelsplatz für physisches Gold. Der Euro-Preis, den Sie lesen, ist der in Euro umgerechnete Dollarpreis aus dem internationalen Handel. Am Wochenende ruht der Großhandel weitgehend. Was Sie samstags als Goldpreis sehen, beruht meist auf dem Stand vom Freitagabend, und Händler rechnen in dieser Zeit gern mit einem Sicherheitsabschlag.
Der LBMA Gold Price: das Londoner Fixing
Seit September 1919 ermitteln Londoner Edelmetallhäuser einen gemeinsamen Referenzpreis für Gold, lange Zeit als Goldfixing bekannt. Über Jahrzehnte geschah das im kleinen Kreis weniger Banken, zuletzt per Telefonkonferenz. Nach Kritik an diesem Verfahren übernahm am 20. März 2015 ICE Benchmark Administration die Verwaltung. Seitdem heißt der Referenzpreis LBMA Gold Price und wird in einer elektronischen Auktion festgestellt.
Die Auktion findet an jedem Londoner Handelstag zweimal statt, um 10:30 Uhr und um 15:00 Uhr Londoner Zeit, nach deutscher Zeit also eine Stunde später. Die teilnehmenden Banken und Händler geben zu einem Startpreis an, wie viel Gold sie kaufen oder verkaufen wollen. Liegen Kauf- und Verkaufsmenge zu weit auseinander, wird der Preis angepasst und eine neue Runde beginnt. Sobald beide Seiten nah genug beieinanderliegen, steht der Preis fest. Er wird in US-Dollar je Feinunze festgestellt und auch in anderen Währungen veröffentlicht, darunter Euro.
Für Sie als Verkäufer hat das Fixing zwei Vorteile. Es ist eine eindeutige Zahl mit festem Zeitpunkt, und es wird breit veröffentlicht. Manche Scheidebetriebe und Ankäufer rechnen größere Mengen Altgold oder Zahngold ausdrücklich zum Fixing eines bestimmten Tages ab. Fragen Sie dann, welcher Tag gilt, ob der Vormittags- oder der Nachmittagspreis verwendet wird und ob der Preis in Dollar oder in Euro zugrunde liegt. Wie eine Abrechnung bei Zahngold aussieht, beschreibt der Ratgeber Zahngold verkaufen.
Einen Nachteil hat das Fixing auch: Zwischen zwei Auktionen bewegt sich der Markt weiter. Ein Angebot, das am Nachmittag erstellt wurde, lässt sich nicht fair am Fixing vom Vormittag messen, wenn sich der Kurs dazwischen deutlich verändert hat.
Feinunze, Gramm, Dollar und Euro
International wird Gold in US-Dollar je Feinunze notiert. Eine Feinunze, auch Troy-Unze genannt, wiegt 31,1034768 Gramm, im Alltag gerundet 31,1035 Gramm. Sie ist nicht dieselbe Unze wie die Gewichtsunze für Lebensmittel, die rund 28,35 Gramm wiegt. Für den Verkauf brauchen Sie den Preis in Euro je Gramm Feingold. Der Weg dorthin hat zwei Schritte:
- Dollar in Euro. Teilen Sie den Dollarpreis je Feinunze durch den Wechselkurs in Dollar je Euro. Annahme: 3.576,90 Dollar je Feinunze und 1,15 Dollar je Euro ergeben 3.576,90 ÷ 1,15 = 3.110,35 Euro je Feinunze.
- Unze in Gramm. Teilen Sie den Euro-Preis je Feinunze durch 31,1035. Bei der Annahme: 3.110,35 ÷ 31,1035 = 100,00 Euro je Gramm Feingold.
Mit genau dieser Annahme rechnen auch die Beispiele im Ratgeber Goldwert berechnen. Dort finden Sie außerdem den Weg vom Grammpreis zum Materialwert einer Kette, eines Rings oder einer Münze.
Warum der Euro-Preis eigene Wege geht
Weil der Euro-Preis aus zwei Größen entsteht, kann er sich anders entwickeln als der Dollarpreis, über den die Nachrichten berichten. Die folgende Tabelle zeigt drei Fälle, ausgehend von der Annahme oben. Alle Zahlen sind angenommen.
| Fall | Dollar je Feinunze | Dollar je Euro | Euro je Gramm Feingold | Veränderung in Euro |
|---|---|---|---|---|
| Ausgangslage | 3.576,90 | 1,15 | 100,00 | |
| Dollarpreis steigt um 10 Prozent, Wechselkurs bleibt | 3.934,59 | 1,15 | 110,00 | plus 10,0 Prozent |
| Dollarpreis steigt um 10 Prozent, Euro wird 10 Prozent teurer | 3.934,59 | 1,265 | 100,00 | keine |
| Dollarpreis bleibt, Euro wird 10 Prozent billiger | 3.576,90 | 1,035 | 111,11 | plus 11,1 Prozent |
Eine Schlagzeile über einen Höchststand in Dollar bedeutet also nicht automatisch einen Höchststand in Euro, und umgekehrt. Für Ihren Verkauf zählt allein der Preis in Euro.
Was den Goldpreis bewegt
Gold bringt keine Zinsen und keine Dividende, und sein Preis hängt nicht an Gewinnen eines Unternehmens. Er entsteht allein aus Angebot und Nachfrage. Hinter beiden stehen Gruppen mit sehr unterschiedlichen Motiven.
| Faktor | Typische Wirkung | Warum es nicht immer so kommt |
|---|---|---|
| Zinsen nach Abzug der Inflation (Realzinsen) | Steigen sie, wird das Halten von Gold im Vergleich zu verzinsten Anlagen unattraktiver, und der Preis gerät unter Druck. | Andere Käufer, etwa Zentralbanken, achten kaum auf Zinsen. Ihre Käufe können den Zusammenhang über Jahre überlagern. |
| US-Dollar | Ein schwacher Dollar macht Gold für Käufer in anderen Währungen billiger und stützt oft den Dollarpreis. | In Krisen steigen Dollar und Gold manchmal gleichzeitig, weil beide als sicher gelten. |
| Zentralbanken | Sie halten Gold als Währungsreserve. Seit 2010 kaufen sie Jahr für Jahr in der Summe mehr Gold, als sie verkaufen. | Ihre Entscheidungen folgen politischen Erwägungen und lassen sich von außen kaum vorhersehen. |
| Anleger | Käufe von Barren, Münzen und börsengehandelten Goldfonds erhöhen die Nachfrage, Verkäufe senken sie. | Anleger reagieren auf Stimmungen und Trends, das kann Bewegungen verstärken und schnell umkehren. |
| Schmuck | Die Nachfrage nach Goldschmuck, vor allem in Indien und China, ist mengenmäßig groß. | Sie reagiert auf den Preis selbst: Ist Gold teuer, kaufen Schmuckkunden weniger. |
| Minen und Recycling | Mehr Angebot drückt den Preis, weniger stützt ihn. | Neue Minen brauchen viele Jahre bis zur Förderung. Schnell reagiert nur das Recycling: Steigt der Preis, wird mehr Altgold verkauft. |
| Krisen und Unsicherheit | Gold gilt als sicherer Hafen, in unruhigen Zeiten steigt die Nachfrage. | Im Herbst 2008 und im März 2020 fiel der Goldpreis zunächst, weil Anleger Gold verkauften, um Geld zu beschaffen oder Verluste an anderer Stelle auszugleichen. |
| Inflation | Über sehr lange Zeiträume hat Gold Kaufkraft bewahrt. | Über Jahre und Jahrzehnte ist der Zusammenhang locker. Der Höchststand vom Januar 1980 wurde in US-Dollar erst im Januar 2008 wieder erreicht, trotz erheblicher Inflation dazwischen. |
Ein Punkt in der Tabelle betrifft Sie unmittelbar: Wer Altgold verkauft, gehört selbst zum Angebot. Steigt der Preis stark, bringen viele Menschen gleichzeitig Schmuck und Bruchgold zum Ankäufer. Das ist für Sie kein Nachteil beim Preis, denn der richtet sich nach dem Weltmarkt. Es kann aber Wartezeiten bei der Prüfung oder bei der Abrechnung im Versand verlängern.
Vertiefende Beiträge zu einzelnen Faktoren finden Sie unter Gold als Inflationsschutz und Irrtümer über Gold als Geldanlage.
Silber, Platin und Palladium folgen denselben Grundkräften, hängen aber stärker an der Industrie: Silber an Elektronik und Solartechnik, Platin und Palladium vor allem an Abgaskatalysatoren. Ihre Kurse schwanken deshalb oft stärker als der Goldkurs und laufen nicht im Gleichschritt mit ihm. Wie der Silberkurs entsteht, erklärt der Beitrag Verständnis des Silberpreises.
Vom festen Preis zum freien Markt
Dass der Goldpreis täglich schwankt, ist historisch eher jung. Lange waren Währungen an Gold gebunden, und der Preis war festgelegt. Im System von Bretton Woods, vereinbart 1944, tauschten die Vereinigten Staaten Dollar zu einem festen Preis von 35 Dollar je Feinunze in Gold, allerdings nur für andere Zentralbanken. Am 15. August 1971 setzten die Vereinigten Staaten diesen Umtausch aus. Seither bildet sich der Goldpreis frei am Markt.
Der freie Markt hat lange Phasen in beide Richtungen gesehen. Auf einen starken Anstieg in den 1970er Jahren folgten rund zwei Jahrzehnte, in denen der Preis fiel oder auf der Stelle trat. Erst danach begann ein neuer Anstieg, unterbrochen von deutlichen Rückschlägen. Wer aus diesen Phasen eine Regel ableiten will, findet keine, außer dieser: Der Goldpreis kann sehr lange steigen und sehr lange fallen, und niemand hat die Wendepunkte verlässlich vorhergesagt.
Warum Prognosen beim Verkauf nicht helfen
Banken, Analysten und Händler veröffentlichen regelmäßig Kursziele für Gold. Diese Prognosen liegen oft weit auseinander und werden häufig angepasst, wenn der Markt sich anders entwickelt. Das liegt nicht an mangelnder Sorgfalt, sondern an der Sache selbst:
- Bekanntes ist schon im Preis. Was alle wissen oder erwarten, haben die Marktteilnehmer bereits gehandelt. Wäre eine Prognose zuverlässig, würden alle sofort danach kaufen oder verkaufen, und der Preis hätte sich schon bewegt.
- Große Bewegungen kommen aus Überraschungen. Krisen, Zinsentscheidungen, Wahlergebnisse oder plötzliche Käufe großer Institutionen lassen sich nicht im Voraus kennen. Gerade sie verändern den Preis am stärksten.
- Prognosen haben Absender. Wer Gold verkauft oder verwaltet, profitiert von Interesse am Gold. Das macht eine Prognose nicht falsch, aber es lohnt sich zu wissen, wer sie aufstellt.
Für Ihren Verkauf folgt daraus etwas sehr Praktisches: Wer auf einen höheren Kurs wartet, wettet. Die Wette kann aufgehen oder nicht, und niemand kann Ihnen sagen, wie sie ausgeht. goldminister gibt deshalb keine Empfehlung, wann Sie verkaufen sollten, und erteilt keine Anlageberatung. Hilfreicher als jede Prognose sind diese Fragen:
- Brauchen Sie das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt, oder können Sie auch später verkaufen?
- Hängen Sie an einzelnen Stücken, die Sie lieber behalten oder umarbeiten lassen möchten?
- Wäre es für Sie in Ordnung, wenn der Preis nach Ihrem Verkauf weiter steigt? Und wenn er fällt, während Sie warten?
- Haben Sie das Gold vor weniger als einem Jahr gekauft? Dann kann die Haltefrist für die Einkommensteuer eine Rolle spielen (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Einzelheiten stehen im Ratgeber Gold verkaufen.
Wer unsicher ist, kann in Teilen verkaufen, etwa zuerst Bruchgold und später Münzen. So gleichen sich Kursschwankungen über die Zeit etwas aus. Beachten Sie dabei, dass manche Ankäufer Mindestgebühren oder feste Kosten für Prüfung und Versand berechnen, die bei kleinen Mengen stärker ins Gewicht fallen.
Vorsicht ist geboten, wenn ein Ankäufer selbst mit dem Kurs Druck macht. Sätze wie „Verkaufen Sie heute, morgen fällt der Preis“ oder „Bei uns bekommen Sie nächste Woche mehr“ sind Verkaufstechnik, keine Information. Ein fairer Ankäufer nennt Ihnen den Kurs, mit dem er rechnet, und lässt Ihnen Zeit für die Entscheidung. Woran Sie solche Ankäufer erkennen, beschreibt der Ratgeber Seriösen Ankäufer erkennen.
Vom Börsenkurs zum Ankaufspreis
Der Börsenkurs gilt für große Barren reinen Goldes zwischen professionellen Händlern. Was Sie für Ihre Stücke erhalten, leitet sich davon ab, aber je nach Ware auf ganz unterschiedliche Weise.
| Ware | Grundlage des Ankaufspreises | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Anlagebarren | Eigener Ankaufspreis je Produkt, eng am Kurs ausgerichtet | Bekannter Hersteller, unversehrte Verpackung, Zertifikat |
| Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf | Eigener Ankaufspreis je Münze, eng am Kurs ausgerichtet | Beim Kauf gezahltes Aufgeld erhalten Sie meist nur zum Teil zurück |
| Sammlermünzen | Sammlerwert, der Goldwert ist nur die Untergrenze | Vor dem Verkauf von einem Münzhändler bewerten lassen |
| Altgold und Bruchgold | Gewicht mal Feingehalt mal Kurs, abzüglich Kosten und Spanne | Angebot in Prozent des Materialwerts vergleichen |
| Zahngold | Analyse nach dem Schmelzen, oft zum Fixing eines Stichtags | Stichtag, Analysekosten und Abrechnung schriftlich klären |
| Marken- und Designerschmuck, Uhren | Wiederverkaufswert, der Goldwert ist nur die Untergrenze | Nicht als Altgold abgeben, ohne den Wiederverkaufswert zu kennen |
Bei Anlagegold kommt beim Kauf keine Umsatzsteuer hinzu (§ 25c Abs. 1 UStG). Als Anlagegold gelten unter anderem Barren mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendteilen und Goldmünzen mit mindestens 900 Tausendteilen, die nach 1800 geprägt wurden, im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise zu höchstens 80 Prozent über ihrem Goldwert verkauft werden (§ 25c Abs. 2 UStG). Für Sie als Verkäufer heißt das: Der Preisunterschied zwischen Kauf und Verkauf ist bei Anlagegold klein, bei Schmuck dagegen groß, weil im Kaufpreis von Schmuck Arbeit, Design, Handelsspanne und Umsatzsteuer stecken, die beim Ankauf nicht vergütet werden.
Was ein Ankäufer bei Altgold im Einzelnen abzieht, erklärt der Beitrag Der Ankaufspreis von Gold. Den Unterschied zwischen Anlage- und Schmuckgold vertieft der Beitrag Anlagegold und Schmuckgold, die Wertermittlung von Altgold der Beitrag Der Wert von Altgold.
Den Kurs festhalten
Ein Angebot können Sie nur beurteilen, wenn Sie wissen, mit welchem Kurs es berechnet wurde. Notieren Sie deshalb bei jedem Angebot:
- die Quelle des Kurses, etwa eine bestimmte Finanzseite oder das Fixing
- Datum und Uhrzeit
- die Währung und ob es ein Preis je Feinunze oder je Gramm ist
- ob es ein Kurs für Feingold oder ein Preis für eine bestimmte Legierung ist
- den Kurs, den der Ankäufer selbst nennt, wenn er einen nennt
Beim Verkauf vor Ort gilt in der Regel der Kurs zum Zeitpunkt des Angebots. Beim Verkauf per Versand ist die Frage schwieriger: Gilt der Kurs vom Tag Ihrer Anmeldung, vom Eingang der Sendung, von der Prüfung oder von Ihrer Zustimmung? Zwischen diesen Tagen können mehrere Handelstage liegen. Manche Anbieter halten den Kurs bei der Anmeldung fest, andere rechnen zum Tag der Prüfung ab. Lassen Sie sich die Regel schriftlich geben, bevor Sie etwas verschicken. Was beim Versand sonst zu beachten ist, steht im Ratgeber Gold verkaufen.
Sechs Missverständnisse rund um den Goldpreis
- „Der Goldpreis ist der Preis für meinen Schmuck.“ Der Kurs gilt für reines Gold. Eine Kette mit der Punze 585 besteht nur zu 58,5 Prozent aus Gold. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Punzen lesen.
- „Die Zahl im Schaufenster ist der Goldpreis.“ Dort steht meist ein Ankaufspreis des Geschäfts, oft für eine bestimmte Legierung und mit eingerechnetem Abzug.
- „Ein Rekord in Dollar ist auch einer in Euro.“ Der Wechselkurs kann den Anstieg verstärken, abschwächen oder aufheben.
- „Gold steigt in jeder Krise.“ Oft, aber nicht immer und nicht sofort. In akuten Krisen wurde Gold auch schon verkauft, um Geld zu beschaffen.
- „Eine Unze ist eine Unze.“ Die Feinunze wiegt 31,1035 Gramm, die Gewichtsunze nur rund 28,35 Gramm. Wer sie verwechselt, rechnet mit einem um etwa zehn Prozent falschen Grammpreis.
- „Je höher der Grammpreis im Angebot, desto besser.“ Ein Grammpreis für Feingold ist nicht mit einem Grammpreis für 585er-Gold vergleichbar. Vergleichen Sie Angebote immer als Prozent des Materialwerts.
So gehen Sie jetzt vor
Legen Sie eine Kursquelle fest und bleiben Sie bei ihr. Notieren Sie den Kurs in Euro je Gramm Feingold mit Datum und Uhrzeit. Lesen Sie die Punzen Ihrer Stücke, wiegen Sie sie und berechnen Sie den Materialwert mit dem Rechner im Ratgeber Goldwert berechnen. Holen Sie dann mehrere schriftliche Angebote ein, fragen Sie jeweils nach dem verwendeten Kurs und vergleichen Sie die Angebote als Prozent des Materialwerts. Ob Sie heute oder später verkaufen, entscheiden Sie nach Ihrem eigenen Bedarf, nicht nach einer Prognose.





